„Meine Woche“: Steffen Dieckermann berichtet aus seinem Alltag

Steffen Dieckermann Trainer Blumenthaler SV 1. Herren
BSV-Trainer Steffen Dieckermann berichtet im Weser-Kurier über seine Woche (Foto: Karsten Hollmann).
„Ich bin bereits von klein auf Fan von Borussia Mönchengladbach“

Zur Person: Steffen Dieckermann (46) übernahm vor dieser Saison das Traineramt beim Fußball-Bremen-Ligisten Blumenthaler SV. Der Niederlassungsleiter eines Personaldienstleisters ist seit 14 Jahren mit seiner Frau Ann-Christine verheiratet, mit der er die Zwillinge Emil und Elsa (5) hat.

Mittwoch, 30. September: Ich stehe bereits um 6.20 Uhr auf, weil meine Frau Ann-Christine sehr früh zur Arbeit muss. Ich bringe dann unsere Zwillinge Emil und Elsa in den Kindergarten und fahre anschließend ins Büro. Wir wohnen genau in der Dorfmitte in Alt-Arsten in der Nähe zweier Statuen. Gebürtig bin ich aus Mannheim. Da meine Mutter jung verstorben ist, habe ich mit meinem bereits 92 Jahre alten Opa nur noch einen Verwandten dort. Meinen Vater begleitete ich damals nach Bremen und spielte von der E- bis zur C-Jugend beim SV Werder Bremen Fußball. Da meine schulischen Leistungen nicht berauschend waren, musste ich kurzzeitig mit dem Fußball aufhören und bin zum Handball gewechselt. Nach einem Jahr kehrte ich aber zu Werders Fußball-C-Junioren zurück, ehe der Trainer mich rausschmiss. Der fühlte sich von mir verarscht, weil ich einmal nicht zum Training erschien. Dabei wusste ich nur nichts von der Verlegung des Trainings. In der B-Jugend habe ich dann für den Habenhauser FV gekickt. Auf der Arbeit ist gerade sehr viel los. Im Zuge der Corona-Krise haben wir in der Firma einen Umsatzverlust von 40 bis 60 Prozent erlitten. Nur langsam normalisiert sich alles wieder. Wir vermitteln Arbeitnehmer an Betriebe. Wenn der Trend zum Homeoffice weiter anhält, ist das aber schlecht für unser Geschäft. Am Abend schaue ich mir auf Sport-Total das Match unseres nächsten Gegners BSC Hastedt gegen den OSC Bremerhaven zur Vorbereitung auf unsere Partie am Sonntag an. Ich bringe dann noch unsere „Zwerge“ ins Bett.

Donnerstag, 1. Oktober: Egal, wann unsere Zwillinge am Abend zuvor ins Bett gegangen sind, wachen sie bereits um 5.15 Uhr auf. Ich schaffe es dennoch irgendwie, bis 7.15 Uhr weiterzuschlafen. Wie jeden Morgen telefoniere ich erst einmal mit meinem Co-Trainer Steffan Wuttke. Wir sprechen auch schon einmal über das Fußball-Training am Abend. „Wuddy“ und ich kennen uns schon eine ganze Weile. Er war vorher schon mein Spieler beim TuS Komet Arsten. Wir trainieren um 18.30 Uhr auf dem Sportplatz in Lüssum. Weil es dort kein funktionierendes Flutlicht gibt, geht es in der kommenden Woche wieder an den Burgwall. Da man beim Trainingsspiel schon etwas sehen sollte, ziehen wir dieses vor. Die eigentlichen „Schweinereien“ kommen dann erst im Anschluss. Es ist von den Spielern ein Sprint- und Kraftparcours zu absolvieren. Die Verlierer des Trainingsspiels müssen bei uns immer ganz schön leiden. Diese müssen im Zickzack alle vier Flutlichtmasten ablaufen – und zwar so oft, wie die Tore-Differenz des Trainingsspiels beträgt. Das kann bei einem Unterschied von acht Toren mal ganz schön anstrengend werden. Die Jungs sollen aber eben lernen, dass Verlieren weh tut. Die Trainingsbeteiligung ist bei uns wie immer sehr gut. Im Anschluss bringe ich die Mitglieder meiner Fahrgemeinschaft nach Hause. Ich setze meinen Torwart Mahmoud Hachem sowie Nuno Porquet in der Neustadt ab, und Steffan Wuttke in Walle. Von dort fährt „Wutti“ nach Achim. Da ich keinen Lkw besitze, müssen die anderen Stadt-Bremer mit einem anderen Auto fahren.

Freitag, 2. Oktober: Ich freue mich extrem aufs Wochenende, weil in der Arbeits-Woche doch sehr viel passiert ist. Davon muss ich mich jetzt natürlich erst einmal erholen. Ich beschäftige mich aber dennoch fast jeden Tag mit Fußball. Das bringt die Tätigkeit als Trainer so mit sich. Selbst habe ich meine aktive Laufbahn im Herrenbereich beim TV Eiche Horn begonnen. Ich bin dann zum TSV Lesum-Burgdamm gewechselt, und habe im Anschluss auch beim FC Oberneuland und dem SC Weyhe gespielt. Nach einer weiteren Saison auf dem Heidbergplatz spielte ich sechs Jahre  beim Habenhauser FV und ließ dort meine Karriere ausklingen. Ich bin bereits von klein auf Fan von Borussia Mönchengladbach. Bei mir stehen auch einige Bücher über den Verein wie der „Mythos Bökelberg“ im Regal. Ich habe aber kein Sky oder DAZN. Das wäre nicht gut für meine Ehe. Wichtige Spiele schaue ich mir dennoch live an.

Sonnabend, 3. Oktober: Heute rückt der Fußballsport mal ins zweite Glied. Der Tag gehört meiner Familie. Ich gehe so mit meinen Zwillingen auf den Spielplatz an der Erich-Kästner-Straße. Dort gibt es eine große Rutsche, die meine Kinder immer fröhlich macht. Den 3:1-Sieg meiner Gladbacher Kicker in der Mutter aller Derbys am Niederrhein beim 1. FC Köln in der Fußball-Bundesliga nehme ich natürlich mit Freude auf der Kicker-App zur Kenntnis.

Sonntag, 4. Oktober: Mein Blumenthaler Team tritt um 15 Uhr beim BSC Hastedt an. Wieder einmal verschlafen wir in dieser Begegnung die ersten 45 Minuten. Das scheint trotz des 6:1-Sieges über den ESC Geestemünde vom Dienstag ein immer wieder kehrendes Muster darzustellen. Wir geraten wie schon in der Partie gegen den SC Borgfeld mit 0:2 ins Hintertreffen. Wir können einen solchen Rückstand aber auch nicht jedes Mal so wie gegen die Borgfelder aufholen. Alles andere, was ich dazu sagen würde, wäre nicht jugendfrei. Wir kommen mit dem Elfmetertor von Bo Weishaupt zwar gut aus der Kabine, kassieren dann aber nach einem dummen Foul ebenfalls per Elfmeter das 1:3. Dabei bleibt es auch, weil die Hastedter Akteure mit Leib und Seele dabei sind.

Montag, 5. Oktober: Ich bin immer noch maßlos enttäuscht über die gestrige Leistung. Wir haben im letzten Training in Lüssum eine Menge aufzuarbeiten. Wenn man mal das Halbfinale und das Finale im Pokal einrechnet, haben wir zwar nur zwei von acht Pflichtspielen verloren. Ich zweifle auch nicht an der Qualität im Team. Der Fußball besteht eben aus mehr als aus den 90 Minuten auf dem Platz. Ich selbst atme und lebe den Fußball von Montag bis Sonntag. Es ärgert mich, wenn die Spieler es anders handhaben. Ich studiere vor jedem Spiel stundenlang den nächsten Gegner. Aber wenn die Einstellung nicht stimmt, kann ich den Spielern auch an die Tafel malen, was ich will. Am Ende ist allerdings immer der Trainer der Depp. Ich spreche die Probleme mit meinem Team offen und deutlich an.

Dienstag, 6. Oktober: Ich bespreche bereits am Vormittag wieder mit Steffan Wuttke, was wir abends beim Training auf dem Burgwall machen wollen. Hier haben wir auch die Möglichkeiten, endlich wieder ein bisschen detaillierter zu arbeiten. Mein Blick ist bereits seit Sonntag auf unseren kommenden Gegner am Sonnabend, die SV Hemelingen, gerichtet. So wie der Klub sich verstärkt hat, sollte ein Platz unter den ersten drei Teams möglich sein. Nach drei sieglosen Partien zum Auftakt ist Hemelingen aber erst einmal die Rolle des Geheimfavoriten los. Beim 6:1-Erfolg über den KSV Vatan Sport haben die Hemelinger jedoch erstmals gezeigt, über welches Potenzial sie verfügen.