Die schwierigen Bälle sind einfacher

Unsere Torjägerin Melanie Rethmeyer möchte gerne in die Verbandsliga aufsteigen, würde aber auch die Landesliga ein Stück weit vermissen. (Bild: Christian Kosak)
Melanie Rethmeyer führt die Torschützenliste in der Landesliga an /Aderlass gut kompensiert

(von Karsten Hollmann – Weser-Kurier)

Die Fußballerinnen des Blumenthaler SV spielen nach einem großen Umbruch eine tolle Saison in der Bremer Landesliga. Nach neun Partien grüßen die Blau-Roten mit sieben Siegen und nur einer Niederlage von ganz oben. Großen Anteil daran hat Melanie Rethmeyer. Die Goalgetterin führt mit 25 Treffern die Torschützinnenliste der Liga an. Dabei läuft sie noch nicht einmal im Sturm, sondern im zentralen oder linken Mittelfeld auf.

„Melanie ist eine Spielerin mit Leib und Seele. Sie wächst mit ihren Aufgaben und gibt immer alles für die Mannschaft, ob auf dem Feld oder im Alltag“, lobt Blumenthals Trainerin Bettina Dentler ihre Mannschaftsführerin. Vor sechs Jahren wechselte Melanie Rethmeyer von der BTS Neustadt nach Blumenthal. Die 30-Jährige ist bereits seit einem Vierteljahrhundert im Fußball aktiv. Ihr erster Trainer war ihr Vater Michael Hintz. Der trainierte sie in Mahndorf, wo sie elf Jahre kickte, bevor es die Offensiv-Spielerin zur BTS Neustadt zog. „Neustadt war damals eine der besten Mannschaften in der Verbandsliga. Ich hatte viele Freundinnen dort“, lässt Melanie Rethmeyer wissen.

Dass es in dieser Saison mit dem Blumenthaler SV so gut funktioniert, überrascht auch Rethmeyer ein wenig. Schließlich mussten die Nordbremerinnen vor der Saison den Abgang von gleich einem halben Dutzend Spielerinnen verkraften. „Ohne sie läuft es aber sogar besser“, stellt Melanie Rethmeyer fest. Diesen Umstand führt sie auch darauf zurück, dass die Neuzugänge gut eingeschlagen haben. Maribel Lopez Perez, Vivien Mahler, Annika Gläsner, Johanna Warm, Isatou Joof, Stina Rühmann und Jasmin Fischer kompensierten die Abgänge. „Gerade dank der Zugänge spielen wir nun wieder Fußball und zeigen schöne Spielzüge“, urteilt die Kapitänin. Die Mischung aus Jung und Alt stimme.

„Außerdem ist die Trainingsbeteiligung für unsere Verhältnisse gut“, verrät Rethmeyer. Durchschnittlich zehn Spielerinnen würden regelmäßig beim Training aufschlagen. „Dabei herrscht stets eine gute Stimmung“, versichert die Verkäuferin, die nebenbei noch in einer Teppich- und Polsterreinigung arbeitet. Zu ihren Vorbildern gehören Marco Bode und Ivan Klasnic. Zum Frauen-Fußball außerhalb ihrer eigenen Laufbahn hat der Werder-Fan dagegen keinen großen Bezug: „Ich finde Männer-Fußball spannender.“ Früher habe sie jedoch zumindest Deutschlands Goalgetterin Birgit Prinz bewundert. „Frauen-Fußball finde ich zum Zuschauen eher langweilig. Da rennen immer alle nur nach vorne und fertig. Die Männer spielen hingegen auch mal hinten rum“, sagt „Mel“ Rethmeyer.

Die Werder-Spiele schaue sie sich am liebsten mit Freundinnen am Fernseher an, gerne auch bei Bettina Dentler. „Ich habe aber keine große Lust mehr, ins Weserstadion zu gehen“, sagt Rethmeyer. In ihrer 25 Jahre währenden Laufbahn ist sie von schlimmeren Verletzungen weitestgehend verschont geblieben. Als Kind erlitt sie mal einen Schlüsselbeinbruch. Aus dem Erwachsenen-Bereich stammen Narben unter dem Auge und am Kinn. „Ich schone weder mich noch meine Gegenspielerinnen“, betont die 30-Jährige.

In der vergangenen Spielzeit fiel sie mit einem Muskelfaserriss sogar mal für drei Monate aus. „Ich habe immer wieder zu früh angefangen. Dadurch hat sich mein Comeback verzögert“, teilt Rethmeyer mit. In der abgelaufenen Saison beklagte die Offensivkraft mal eine Flaute von drei Begegnungen ohne einen eigenen Treffer. „So etwas zieht mich ganz schön runter“, räumt Melanie Rethmeyer ein. Doch gerade in dieser Phase habe sie den großen Rückhalt der Mannschaft deutlich gespürt: „Deshalb bin schnell wieder aus meiner Krise herausgekommen.“

Rethmeyer möchte gerne in die Verbandsliga aufsteigen, würde aber die Landesliga auch ein Stück weit vermissen. „Hier haben wir drei oder vier Mannschaften, die sich mit uns in etwa auf Augenhöhe befinden“, gibt die Mannschaftsführerin zu bedenken. In der letzten Verbandsliga-Serie habe es für die Nordbremerinnen dagegen nicht mehr so gut geklappt. „Aber wir haben uns jetzt ja auch verbessert. Vielleicht können wir deshalb wieder besser in der höheren Liga mithalten“, hofft Rethmeyer. Sie sei sehr stolz darauf, die Mannschaft seit drei Jahren als Kapitänin anzuführen, und trage sehr gerne Verantwortung.

„Als Kapitänin nimmt Melanie ihre Aufgabe sehr ernst und unterstützt das Trainerteam“, schwärmt Bettina Dentler. Rethmeyer selbst sieht sich nicht nur als verlängerten Arm von Bettina Dentler und deren Co-Trainerin Silke Berndt auf dem Rasen, sondern auch außerhalb. „Ich arbeite super mit Bettina Dentler und Silke Berndt zusammen“, versichert Rethmeyer. Als ihre große Stärken auf dem Grün bezeichnet sie ihre Übersicht und Torgefährlichkeit. Mit ihrer Chancenverwertung hadere sie dagegen manchmal: „Ich mache die einfachen Bälle eher nicht rein. Da denke ich oft zu viel nach.“ Mit den schwierigeren Situationen habe sie hingegen weniger Probleme.

Ein persönliches Ziel in Sachen Trefferquote hat sich Melanie Rethmeyer nicht vorgenommen. „Natürlich würde ich gerne mal Torschützenkönigin werden. Aber der Gewinn der Meisterschaft wäre mir wichtiger“, sagt die Verkäuferin. In Sachen Torjägerkanone sieht es derzeit nichtsdestotrotz hervorragend für sie aus. Der Vorsprung auf die Zweitplatzierte Marina Meyer vom Brinkumer SV beträgt immerhin schon satte zehn Treffer. Gleich nach ihr folgt bereits ihre Teamkameradin Annika Gläsner mit 14 Toren. Auch Blumenthals Nildercia de Paulo Nascimento (10), Johanna Warm (7) und Swetlana Blumenstein (5) befinden sich in den Top Ten.

Beim Blumenthaler SV befindet sich ohnehin die Torfabrik der Liga. Mit 72 Treffern erzielte der Nordbremer Klub im Schnitt acht pro Partie. Beim Sieg über den Vorletzten TuS Komet Arsten waren es zuletzt sogar 16 Tore. Melanie Rethmeyer ist derweil noch nie Torschützenkönigin geworden. „Und wenn, dann ist das mindestens schon zwölf Jahre her“, verdeutlicht die 30-Jährige. Damit es diesmal hinhaut, baut sie ganz auf ihre Mitspielerinnen: „Ohne die Unterstützung der Mannschaft schaffe ich es nicht.“