„Die Midsommer-Feste am Strand mit Lagerfeuer sind legendär“

Torsten Hennecke
Hat stets für Jeden ein Lächeln und einen lockeren Spruch parat: Torsten Hennecke.
Meine Woche: BSV-U11-Trainer berichtet in „Die Norddeutsche“ von seinem Alltag

(Quelle: Weser-Kurier / Karsten Hollmann)

Mittwoch, 11. März: Ich mache mich sehr früh auf den Weg nach Hamburg zu einem Gesellschafter-Treffen. Mit meinen Partnern in der Fjorborg Häuser GmbH & Co KG gibt es einige aktuelle Projekte, die wir für die Zukunft der Firma vorantreiben wollen. Von Flensburg aus planen, produzieren und montieren wir skandinavische Holzhäuser und sind verantwortlich für unsere 81 Mitarbeiter und deren Familien. Diese Menschen sind uns wichtig. Viele von ihnen kenne ich bereits seit mehr als 20 Jahren. Wir versuchen, eine entspannte Arbeitsatmosphäre nach skandinavischer Lebensart zu pflegen. Hier sagt jeder „Du“. Es gibt Massagen, Yoga, frisches Obst und Säfte. Legendär sind unsere Midsommer-Feste am Strand mit Lagerfeuer. Es ist dann schon früh am Abend, als ich mich wieder auf den Rückweg mache. Hamburg bei Dunkelheit mit den vielen Lichtern des Hafens am Rande der Autobahn – das sind immer wieder interessante Bilder. Als ich dann in unsere Sackgasse einfahre, fühle ich mich gut. Unser eigenes Holzhaus in der Abendbeleuchtung zu sehen, ist auch immer ein schönes Bild. Meine Frau Tina hat ein besonderes Händchen für die Gestaltung unseres Zuhauses.

Donnerstag, 12. März: Ich nutze seit Jahrzehnten schon keinen Wecker mehr, der mir vorgibt, wann ich aufzustehen habe. Eine innere Uhr weckt mich. Ich kann mir als „Gesellschafter im Außendienst“ meine Tage selbst einteilen und habe somit große Freude an dem, was ich tue. Daher beginnt mein Tag im Fitness-Center mit Sport, Sauna und Massage. Das ist ein wichtiger Ausgleich. Ich mag es sehr, mich so richtig auszupowern und noch mehr im Anschluss beim Saunieren zur Ruhe zu kommen und zu sinnieren. „Sinnieren“ ist ein Wort, das quasi in Büttenwarder geboren wurde. Ich habe es geliebt, Jan Fedder und Heinrich Brix als Brakelmann und Adsche im Dorfkrug mit „Lütt un Lütt“ beim Sinnieren zuzuschauen. Schade, dass Jan Fedder verstorben ist. Beim Sport und in der Sauna kommen mir dann auch die ersten Gedanken für das anstehende Wochenende. Es steht ein Testspiel auf dem Programm und am Sonntag dann der finale Spieltag in der Hallenmeisterschaft. Wir sind Tabellenführer mit zwei Punkten Vorsprung bei einem Spiel weniger. Es wird spannend. Passend mache ich mir dazu Gedanken zur nächsten Trainingseinheit mit meinen „Burgwall- Rabauken“, der U11 des Blumenthaler SV. Diese Gedanken teile ich in zwei ausführlichen Telefonaten meinen beiden Trainerkollegen Stephan Kruschinski und Ozan Sentürk mit. Dann mache ich mich auf in den Außendienst zu meinen Kunden und Baustellen. Ich plane, skizziere und berechne Häuser, baue sie mit auf und begleite die Familien bis zu ihrem Einzug. Leider holt mich noch das Coronavirus ein. Der Bremer Fußballverband hat aufgrund der angespannten Lage alle Spiele und Turniere bis zum 30. März abgesagt. Meine Einschätzung ist, dass der größte Virus die „Panik-Mache“ und das Misstrauen der Menschen ist.

Freitag, 13. März: Es ist Freitag der 13te. Unglücks- oder Glückstag? Solche Gedanken habe ich nicht. Für mich ist das Glas immer halb voll. Der Tag beginnt im Büro. Das Gute ist, dass ich es im eigenen Haus habe und somit auch die heimelige Atmosphäre und die Nähe meiner Familie genießen kann. Später treffe ich mich noch mit meinem Freund Larsen Wilhelm. Wir sind absolute „Buddys“ und kennen uns seit 44 Jahren aus Kindheitstagen. Es handelt sich um eine echte Männerfreundschaft. In regelmäßigen Abständen machen wir zusammen Sport. Mich erreicht dann auch noch die Nachricht, dass der Vorstand des BSV den Trainingsbetrieb am Burgwall bis zum 30. März einstellt. Ich nutze die ungewollt freie Zeit und verbringe diese mit Tina.

Sonnabend, 14. März: Es herrscht strahlender Sonnenschein, herrlich. Der Frühling kündigt sich an. Ich mache mich wie jeden Sonnabend mit dem Fahrrad auf zum Grünmarkt bei uns in Schwanewede. Dort kaufe ich seit 20 Jahren bei Blumenfrau Inge Blumen für meine Tina und Weltmeisterbrötchen vom Starkebäcker. Ich liebe es, danach ausgiebig mit Lachs, Honigmelone, Serrano-Schinken, frisch gepresstem O-Saft, Ei, Honig, Ananas, Cappuccino sowie dem Weser-Kurier zu frühstücken. Dann erhalte ich auch die Nachricht, dass die Sportanlage am Burgwall bis zum 14. April geschlossen ist. Der gesamte Vorbereitungsplan ist somit hinfällig. Langsam kommt die Erkenntnis, dass es aktuell keinen Sinn macht, zu planen und Vorbereitungen zu treffen. Auch wenn ich mir bei Sky als Werder-Fan deren Spiele live anschaue, bin ich ein Kind der Sportschau. Mit dem „Gut‘n Abend allerseits“ von Heribert Faßbender ging es immer los. Das ist Kult. Da aber heute auch die Sportschau mit Bundesligaberichten ausfällt, hat Tina es leicht, mich davon zu überzeugen, das Wohnzimmer zu renovieren. Dabei lege ich sogar eine Nachtschicht ein.

Sonntag, 15. März: Auch wenn es gestern Abend sehr spät geworden ist, bin ich wie immer gleich morgens wieder früh auf den Beinen. Nach meinem geliebten ausgiebigen Frühstück mache ich mich dann auf zu einem schönen langen Spaziergang durch die Schwaneweder Heide mit Stella, Finns Hund. Am Abend sitzt die ganze Familie bei uns bei Braten mit Kartoffeln und Gemüse zusammen. Offiziell wohnen die Jungs noch bei uns und sagen, sie lebten mit zwei älteren Menschen in einer WG. Doch in Wahrheit ist Janis häufiger bei Wenka und Finn bei Yvonne. Beide Mädchen haben ihre eigene Wohnung. Wenn sie dann mal bei uns sind, werden sie von „Muttern“ verwöhnt. Es folgt der wichtigste Anruf der Woche. Jeden Sonntag-Abend rufe ich zwischen „Lindenstraße und Tagesschau“ meine Mutter an.

Montag, 16. März: Nach der Arbeit treffe ich mich mit meinem Freund Andreas Geier. Mit ihm habe ich damals die „Ninty sevener“, den 97er-Jahrgang des Blumenthaler SV, gecoacht und den Landesmeistertitel errungen. Das schweißt zusammen. Dann tausche ich nach der Absage des Werder-Spiels gegen Bayer Leverkusen den geplanten Fußball-Abend mit Janis gegen die Couch-Area im neu renovierten Wohnzimmer. Wir sind gerne zusammen im Weserstadion und genießen das ganze Drumherum mit den Kneipen im Viertel. Für mich ist diese tolle Atmosphäre gelebte „Fußball-Kultur“.

Dienstag, 17. März: Durch die neuesten Entwicklungen der Pandemie wird mein geplanter Wochenverlauf komplett umgeschmissen. Es gilt, Reisen einzudämmen. So wird aus meiner geplanten dreitägigen Dienstreise ein kurzer Abstecher in das Rheinland, um die wichtigsten Entwicklungen von aktuellen Bauvorhaben abzuarbeiten. Was mich dabei bedrückt, ist die enorme Umweltverschmutzung durch meine Autofahrten. Ich fahre rund 65 000 Kilometer im Jahr. Deshalb werde ich mir auch ein neues Auto mit der klaren Zielvorgabe, einen geringeren CO2-Ausstoß zu haben, zulegen. Ich mache mir Gedanken über den geplanten Urlaub in die Sonne in der nächsten Woche. Wird der Flug komplett storniert? Kommen wir überhaupt zurück, was wenn nicht?